Die Überwachung von Grenzgewässern

Das Grenzwachtkorps (GWK) leistet seinen Dienst nicht nur auf den Strassen, sondern auch zu Wasser. Mitarbeiter Giorgio Schuler erzählt von den Aufgaben und Herausforderungen auf den Grenzgewässern im Tessin.

19.07.2019, Nadia Passalacqua, Mediensprecherin EZV

«Auf einem Grenzgewässer haben wir verschiedene Aufgaben zu erfüllen», erklärt Giorgio Schuler, verantwortlicher Wachtmeister für den Seedienst der Region IV. «Grob gesagt sind es dieselben Aufgaben wie auf der Strasse. Natürlich unterscheidet sich dabei die Form, wie wir intervenieren, da wir zu Wasser mit Booten und nicht mit Autos unterwegs sind.» Ausserdem sind die dortigen Kontrollen jahreszeitenabhängig: «Von Juni bis September verkehren auf dem See auch einheimische private Wasserfahrzeuge. In den Sommermonaten hat es viel mehr Touristenboote und leider müssen wir feststellen, dass sie es mit den Sicherheitsvorschriften oftmals nicht so genau nehmen.»

Vor welche Herausforderungen stellt ein Grenzgewässer? «Da ist einmal der Schmuggel oder im Ausland reparierte Boote, die nicht wie vorgeschrieben verzollt wurden – auch das hat es schon gegeben.»

Seerettungen im Winter

Giorgio – der sich selber als Urgestein der EZV bezeichnet – arbeitete zeit seines Lebens auf dem See. Angefangen hat er als Bootsführer im Militärdienst. «Schon in der Primarschule schaute ich durch das Fenster auf den See hinaus.» In all den Dienstjahren auf dem Luganersee und dem Lago Maggiore hat er schon einiges gesehen und miterlebt. «Einmal waren wir auf dem See am Unterrichten. Es war Winter und der Nordwind blies, es herrschten also schlechte Navigationsbedingungen. Bei Melide fiel uns ein umgekipptes Segelboot auf. Wir näherten uns und entdeckten unter dem Boot eine verletzte Person, die wir unverzüglich bargen und auf unser Boot transportierten. In der Wintersaison verkehren nur wenige Boote auf dem See; zum Glück hatten wir Dienst. Das Boot der Grenzwacht ist das ganze Jahr über auf dem See, gerade auch bei Regen und Schnee, wenn solche Vorfälle gehäuft auftreten. Als wir ein anderes Mal zu Wasser unterwegs waren, entdeckte ich plötzlich einen Ruderer. Es war Anfang Januar und sehr kalt. Ich behielt ihn von weitem im Auge, doch plötzlich war er verschwunden. Ich griff zum Fernglas und sah, dass er umgekippt war: Wir eilten zu ihm, um ihn zu bergen. Es war ein 75-jähriger Mann, der sich bei uns für die Rettung bedankte. Solch dramatische Momente habe ich schon oft erlebt. Zu unserem Auftrag gehört eben neben den üblichen Aufgaben auch die Sicherheit.»

Sergente Giorgio Schuler
Giorgio Schuler hat in seinen Dienstjahren viel erlebt.

Ausrüstung und Hilfsmittel

In der Region IV gibt es rund ein Dutzend ausgebildete Bootsführer und zwei Wasserfahrzeuge der Marke Targa, nebst einem kleineren Motorboot vom Typ T-Van. Insgesamt gibt es in der ganzen Schweiz 5 Targa-Boote und ein Raft, das auf dem Bodensee stationiert ist und auch für Einsätze auf dem Rhein verwendet wird.

Tagsüber oder in der Nacht weist die Schifffahrt andere Besonderheiten auf: «Nachts verwenden wir als Hilfsmittel den Radar und die Wärmebildkamera. Der Radar zeigt uns, dass sich ein Objekt auf dem See befindet, aber der Bootsführer muss überprüfen, worum es sich beim Objekt tatsächlich handelt. Nachts fahren wir auf Sicht. Die Wasserfahrzeuge verfügen über grosse Scheinwerfer mit Farbwechsel, mit deren Hilfe sich ihre Position ermitteln lässt. Normalerweise sind die Lichter vorne und hinten weiss, links und rechts dagegen rot und grün.»

Der Seedienst übernimmt auch eine Support-Funktion für die gemeinsamen Kontrollen mit anderen Patrouillen, die auf der Strasse im Einsatz sind. «Eine See-Patrouille kann sich bspw. in Gandria mit den am Grenzübergang anwesenden Kolleginnen und Kollegen zusammentun, damit für einen bestimmten Einsatz mehr Leute zur Verfügung stehen. Das Boot kann auch zur Beförderung der GWK-Angehörigen von einem Ufer ans andere genutzt werden. Im Vergleich zu früher sind die Einsätze dynamischer geworden.»

GWK Boot antik
So war das Grenzwachtkorps früher auf den Grenzgewässern unterwegs.
GWK Boot Targa
Heute: Eines von zwei Booten der Marke Targa im Einsatz.
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