An die Grenzen und darüber hinaus!

Vom 19. bis 24. August fand in Realp (bei Andermatt) die jährliche Sportwoche für die GWK-Aspirantinnen und -Aspiranten statt. Aspirantin Aurelia Fricker gibt einen persönlichen Einblick und berichtet über sportliche Herausforderungen und prägende Momente.  

Fricker Aurelia Tabea

09.09.2019, Asp Aurelia Fricker – Reg II

Wer im Zeughaus Realp eincheckt, kommt an seine Grenzen: Biathlontraining mit der Elite, Hiking im Turbomodus, Gletscherbegehung mit Abseilen für Unerschrockene, Klettersteig mit Weitblick, Fahrrad-OL mit grenzenlosem Pedaltritt, Übernachtung im Tipi Zelt mit Schweizer Kuhglockenorchester, sowie als Abschluss eine Seeüberquerung mit 300 PS! Die Instruktoren sowie das Kader kennen keine Gnade. Mit ein Grund, warum diese exzessive Woche in den schönen Schweizer Bergen unvergesslich bleiben wird.

Geht nicht – gibt’s nicht!

Kurzum: «Geht nicht – gibt’s nicht!». Verschnaufspause zwischendurch: Ja, aber bitte nur kurz. «Es ist bei diesen Herausforderungen noch niemand gestorben», heisst es unisono. «Logisch», denkt man, und hält atemlos durch. Wer zu Hause nach einer Stunde schlapp macht, hält hier mindestens noch sechs weitere Stunden durch! Am Ende der Woche lacht man dem inneren Schweinehund stolz ins Gesicht und vergisst dabei ganz seine schmerzenden Beine.

Gletscherwanderung Sportwoche GWK
Die Sportwoche eröffnet neue Horizonte …
© Maurizio Fini (Gebirgsspezialist)
Klettern am Gletscher Sportwoche
… und verlangt den Aspirantinnen und Aspiranten so einiges ab.
© Maurizio Fini (Gebirgsspezialist)

Wer mich schon etwas länger kennt, weiss, dass ich nicht unsportlich bin, aber auch nicht Teil der Elite. Ich gehe mehr oder weniger regelmässig joggen, schwimmen oder wandern, aber so wirklich topfit wie andere aus unseren beiden Klassen, bin ich definitiv nicht. Ich habe aber stets Freude an Bewegung und freute mich dementsprechend sehr auf diese Sportwoche. Aber ehrlich gesagt, hatte ich eigentlich keine Ahnung, was uns dort erwarten würde. Rückblickend ist das auch ganz gut so!  :o

Das Zeughaus Realp ist ein schmuckes Häuschen, das Platz für mind. 60 Nasen bietet. Aufgeteilt war das Ganze in zwei Massenschläge mit Einzelbetten für Männlein und Weiblein. Die Tagesprogramme wurden den jeweiligen Gruppenchefs pünktlich am Vorabend mitgeteilt. Die Tage starteten mit einem ausgewogenen Frühstück, bevor es dann in den einzelnen Gruppen mit mehrstündigem Klettern, Rennen, Laufen, Hiken oder Biken losging. Nach dem Mittagessen, welches jeweils von den Aspiranten unter Anleitung unseres Küchenchefs Roger zubereitet wurde (sowie das Abendessen auch), und einer kurzen Pause folgten weitere Stunden der körperlichen Ertüchtigung. Am Abend hatten wir die Gelegenheit zusammenzusitzen, zu quatschen oder einfach die schmerzenden Beine unter der Dusche wiederzubeleben bzw. im Bett zu entlasten.  

Schiessen Sportwoche GWK
Biathlontraining unter den wachsamen Augen der Elite.
© Eric Hübner
Velofahren Sportwoche GWK
Velofahren bis an die Grenzen (und darüber hinaus).
© Florian Loosli (Aspirant)

Sportlich-kulturelle Herausforderungen

Die Sportwoche hatte für jeden etwas: Von Kraft- über Ausdauertraining bis hin zum Schiessen und gemütlichem Beisammensein. Spannend fand ich vor allem, dass ganz neue Aktivitäten ausprobiert werden konnten, mit denen ich so in meinem Leben nicht wirklich in Berührung komme. So hat es mir bspw. die Gletscherbegehung mit anschliessendem Eisklettern angetan oder aber der Klettersteig schaffte es, meine Höhenangst noch in weitere, ganz entfernte Sphären - die ich so bis anhin gar nicht kannte – zu katapultieren. Ich war froh, dass uns der Nebel nach einiger Zeit eingeholt hatte, so dass ich nicht weiter in den Abgrund blicken musste.

Wir Aspiranten erlebten in dieser Woche Sachen, die wir so nicht wieder erleben werden: Seien es die körperlichen Anstrengungen – man berücksichtige dabei die ganz unterschiedlichen Fitnesslevels innerhalb der Gruppe, wobei einige bestimmt ein paar Mal auf die Zunge beissen mussten, um nicht laut loszuschreien, weil sie sehr viel Geduld mit den Unfitteren in den Gruppen beweisen mussten - gleichzeitig auch die emotionalen Ups und Downs, sowie die Konflikte, die innerhalb der Gruppen entstehen können, wenn Romands und Deutschschweizer plötzlich ununterbrochen zwischen Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden gaaaanz viel Zeit miteinander verbringen müssen. Es hat uns eben auch wieder einmal gezeigt, dass die Schweiz nicht nur aus einer Kultur besteht, sondern wir ganz viele verschiedene Kulturen repräsentieren, was aber nicht heisst, dass wir beruflich nicht alle an einem Strang ziehen – vertreten wir doch gemeinsam das gleiche Korps und die gleichen Werte.

Man merkt es meinen Worten an, ich bin wirklich begeistert von dieser Sportwoche. Es war grossartig, mal eine ganze Woche nur auf die Karte Sport, Konfliktmanagement, Übersetzungshilfe und Schmerzen zu setzen und so die eigenen Grenzen auszuloten, bzw. weiter hinauszuschieben. DANKE – MERCI – GRAZIE - GRAZIA!

Interview: Kpl Eric Hübner, Lehrkraft GWK im Campus EZV über die Sportwoche

Hübner Eric

Was lernen die Aspirantinnen und Aspiranten in der Sportwoche?

Die Aspirantinnen und Aspiranten haben das Privileg, in der Sportwoche verschiedene Sportarten auszuprobieren, welche durch Profis instruiert werden, wie zum Beispiel Biathlon und Nordic Walking. Ebenso erhalten sie einen Einblick in die Welt der Gebirgsspezialisten, etwa beim Abseilen bei der Teufelsbrücke oder beim Klettersteig. Die Aspirantinnen und Aspiranten werden klassen- und regionenübergreifend in Gruppen eingeteilt und müssen verschiedene Aktivitäten ausführen, wie zum Beispiel die Verschiebung vom Campus nach Realp planen, oder die Velofahrt von Schwyz nach Trachslau (bei Einsiedeln) über die Ibergeregg (1000 Höhemeter bei knapp 10 Kilometer) gemeinsam meistern. Da bei der Zusammenstellung der Gruppe auf die Regionen und Sprachen geachtet wird, nicht aber auf die persönliche Fitness, ist es nicht immer für alle einfach, das Wohl der Gruppe über das eigene Wohlbefinden zu stellen. Da geht es vor allem um die sozialen Kompetenzen. Die Aspirantinnen und Aspiranten werden in dieser Woche an ihre psychischen und physischen Grenzen gebracht und müssen trotzdem noch agieren und reagieren.

Welche Rolle spielen die in der Sportwoche erlernten/vertieften Kompetenzen im Alltag eines Grenzwächters oder einer Grenzwächterin?

Teamwork und Zusammenhalt. In den verschiedenen Aktivitäten der Sportwoche geht es ohne Teamwork nicht. Und genau diese Fähigkeit, bzw. diese Kompetenz, wird hier vertieft und aufgezeigt. Alle Aspirantinnen und Aspiranten müssen sich in einer Gruppe unterordnen können und nicht ihre persönlichen Bedürfnisse durchsetzen, was den Zusammenhalt in der Gruppe und im Lehrgang stärkt.  

Impressionen

https://www.ezv.admin.ch/content/ezv/de/home/dokumentation/publikationen/forum-z---das-magazin-des-schweizer-zolls/nah-dran/gwk-sportwoche-realp.html