Der Grenzübergang Pedrinate und der südlichste Punkt der Schweiz

Über der Stadt Chiasso, fernab vom Nord-/Südverkehr, der sich lärmend durch das Nadelöhr Mendrisiotto-Lombardei hindurchzwängt, liegt der südlichste Grenzübergang der Schweiz in Pedrinate TI. Forum Z. hat sich dort umgesehen.

19.08.2019, Roman Dörr, Zollexperte, Zollinspektorat Pratteln

An der Strasse, welche von Chiasso ins lombardische Drezzo (Fraktion von Colverde) führt, steht der Grenzübergang Pedrinate. Es ist der südlichste Grenzübergang der Schweiz. Nichts rührt sich hier: Auf der rechten Seite der Fahrbahn erhebt sich das stattliche Zollhaus. In der Strassenmitte liegt verwaist der Amtsplatz mit seinem überdachten Pavillon. Einige rotweiss markierte Kunststoffelemente mahnen die Automobilisten zur Langsamfahrt.

Der Grenzübergang Pedrinate wurde in Jahre 1888 eröffnet und ist seit dem 1. Januar 1997 unbesetzt. Privatpersonen und -fahrzeugen ist es erlaubt, ohne zollpflichtige Waren an allen Wochentagen rund um die Uhr zu passieren.

Pedrinate Güg
Grenzübergang Pedrinate TI
© Roman Dörr, EZV

Die Ortschaft Pedrinate

Die Ortschaft Pedrinate liegt etwa einen Kilometer nördlich des Grenzübergangs auf dem Penz-Hügel und ist auf drei von vier Seiten von Italien umgeben. Schon in der Bronzezeit war es bewohnt. Funde unter der Kirche S. Stefano weisen auf Spuren der Römer hin. 1291 wurde «Pedrenate» erstmals urkundlich als Dorfgemeinschaft erwähnt. 1976 wurde Pedrinate, zusammen mit der Fraktion Seseglio, in Chiasso eingemeindet.

Bis heute hat das Dorf seine landwirtschaftliche Prägung nicht verloren. Ein typisches Produkt von hier ist der Merlot-Wein, dessen Reben auf dem Penz gedeihen. Aufgrund seiner speziellen Lage wurde Pedrinate von der Zersiedlung teilweise verschont. Es hat sich in den vergangenen Jahren allerdings zu einem Wohnort entwickelt, der mehrheitlich aus Einfamilienhäusern besteht.

Am südlichsten Punkt der Schweiz

Zwischen dem Dorf und dem Grenzübergang prangt an der Via Tinelle ein Wegweiser. Von dort führt ein schmaler Weg weiter nach Süden, entlang der Rebberge und des italienischen Grenzzauns, in den Wald hinein. Nach einem gemächlichen Spaziergang von einer dreiviertel Stunde stehen wir vor dem berühmten Grenzstein 75B, dem südlichsten Punkt der Schweiz. Dort winkt uns eine fröhliche Figur mit grossen Augen und einem kess aufs Haar gedrückten Hut entgegen. Daneben zeigt die Spitze eines überdimensionierten Pfeils mit der Aufschrift «Punto estremo sud della Svizzera», «südlichster Punkt der Schweiz», auf den Grenzstein. Wir sind am Ziel! Hinter dieser Szenerie ragen Eisenstäbe aus dem Boden. Diese wurden vor bald fünf Jahrzehnten gesetzt, um den illegalen Grenzübertritt mit Fahrzeugen zu verhindern. Die Sperre gehört zur «Rete fiscale», dem Grenzzaun, der ab 1890 von Italien erbaut wurde. Er war dazu gedacht, den Schmuggel in den Wäldern an der schweizerisch-italienischen Grenze einzudämmen.

Der «südlichster Punkt der Schweiz» war einer der Gegenden im Mendrisiotto, an denen einst alles Mögliche über die Grenze geschleust wurde: Mineralöl-Produkte, Kaffee, Zucker und Tabakwaren gelangten nach Italien. Reis, Salz, Schinken, Schuhe und Fahrräder fanden den Weg in den Tessin. In den 1970er-Jahren wurden ganze Koffer mit Banknoten und Gold in die Schweiz verschoben, unter anderem wegen der Sicherheit der Schweizer Banken und zur Steuerhinterziehung.

Doch die Zeiten haben sich geändert: Heute wird in diesem Grenzabschnitt nicht mehr geschmuggelt wie in der Vergangenheit. Dennoch sind die italienische Guardia di Finanza und das schweizerische Grenzwachtkorps weiterhin auf der Hut.

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