Hinter den Kulissen des Grenzübergangs Basel / Weil am Rhein-Autobahn

Mehr als 3400 Lkws und 15 000 Personenfahrzeuge überqueren täglich die Grenze bei Basel / Weil am Rhein-Autobahn. Forum Z. hat einen Blick hinter die Kulissen des grössten Autobahn-Grenzübergangs der Schweiz geworfen und verschiedene Mitarbeitende der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) einen Tag lang bei ihrer Arbeit begleitet.

26.11.2019, Ramona Schafer

Heinz Keller, Zollrevisor auf der Zollstelle Basel Weil/Autobahn, sitzt in der kleinen beheizten Abfertigungskabine, während draussen dicke Tropfen vom grauen, mit Wolken bedeckten Himmel fallen. Auf der anderen Seite der Scheibe fährt der nächste Lastwagen vor, der Fahrer hält auf Augenhöhe mit Keller an. Er überprüft routiniert den vom Lastwagenfahrer ausgehändigten Transitschein, während der Fahrer das an der Abfertigungskabine befestigte Gerät namens AT-Rapid nimmt und die Angaben für die Schwerverkehrsabgabe (LSVA) eintippt. Bei der Kontrolle dieser Angaben wird Keller stutzig und bemerkt eine falsche Angabe. Über die Gegensprechanlage versucht er, dem Fahrer den Fehler bewusst zu machen. Wie viele der Fahrer spricht dieser jedoch weder eine Schweizer Landessprache noch Englisch. Keller ist sich das mittlerweile gewöhnt: «Meistens ist die sprachliche Verständigung das grösste Problem.»

Bei über 1700 Lkws, welche die Schweizer Grenze täglich aus sowie in unterschiedliche Länder überqueren, kein Wunder. In seiner Abfertigungskabine hat es Keller mit denjenigen Lastwagen zu tun, die entweder leer sind oder die Schweiz zur Durchfuhr nutzen. Sie können die Transitspur benutzen und die Zollformalitäten erledigen, ohne auszusteigen. Ganz ohne Kontakt mit den Mitarbeitenden der EZV geht es aber eben nicht.  

Ausblick Einfuhr-Seite in Basel Weil/Autobahn
Ausblick auf die Einfuhr-Seite in Basel Weil/Autobahn: Links die Transitspur, rechts der Parkplatz für Lastwagen mit Ware zum Verzollen.

Ein paar Lastwagen später der nächste Fall: Der Fahrer hat fälschlicherweise die Transitspur gewählt, obwohl er Waren mitführt, die er am Schalter verzollen muss. Auch hier spricht der Fahrer kein Englisch und versteht nicht, was Keller über die Gegensprechanlage erklären will. Er beschliesst, die Kabine zu verlassen, denn: «Bei gewissen Dingen ist es einfacher, schnell draussen mit dem Fahrer zu schauen».  

Heinz Keller kontrolliert Transitschein
EZV-Mitarbeiter Heinz Keller kontrolliert einen Transitschein.

Im Wohnzimmer des Lastwagenfahrers

Ein paar Meter weiter stehen Stéphane Gross und Ramon Aebischer gerade in der Fahrerkabine eines anderen Lastwagens und suchen den Boden, die Sitze und alle Fächer ab. Denn die beiden Zollassistenten müssen feststellen, ob die Angaben zur mitgeführten Ware stimmen, was bspw. die Menge oder Warenart angeht, und auch, ob der Fahrer sonstige nicht-angemeldete Waren dabeihat. Vielfach finden sie geschmuggelte Zigaretten oder Alkohol – teilweise sogar verbotene Waffen.

Das Untersuchen der Fahrerkabine stellt immer einen Eingriff in die Privatsphäre des Lastwagenfahrers dar. Deshalb tragen die Mitarbeitenden des Zolls Handschuhe und einen Schuhschutz – dreckige Schuhsolen auf dem Fahrersitz sind nicht gern gesehen, schliesslich ist die Fahrerkabine für manche Fahrer so etwas wie ihr Wohnzimmer.

Nach der Fahrerkabine und der Motorhaube wird der Anhänger kontrolliert. Der Lastwagen transportiert zwei Baumaschinen. Schon auf den ersten Blick ist ersichtlich, dass hier der Sicherungsgurt für diese beiden Maschinen gerissen ist. Auch das gehört zu den Aufgaben des Schweizer Zolls: Er überprüft die Verkehrssicherheit von Fahrzeugen. Bevor der Lastwagen wieder auf die Strasse darf, muss der Fahrer den gerissenen Gurt ersetzen.  

Stéphane Gross untersucht LKW
Stéphane Gross untersucht die Motorhaube eines Lastwagens.
gerissene Sicherungsgurte
Gerissene Sicherungsgurte und Schlimmeres: Die Mitarbeitenden der EZV kontrollieren auch, wie verkehrssicher ein Fahrzeug ist.

Auto um Auto

Von den Kontrollen der vielen Lastwagen direkt neben der Autobahn bekommen die meisten üblichen Autofahrerinnen und Autofahrer nichts mit. Sie gelangen via Autobahn in die Schweiz – dort, wo durchschnittlich 15 000 Personenwagen pro Tag den gedeckten Grenzübergang passieren. Heute sind es unter anderem die Grenzwächterin Chiara Salathé und der Grenzwächter Janosch Ott, welche entscheiden, ob ein Auto durchgewinkt wird oder anhalten muss.

Salathé steht neben der Fahrbahn und sieht jedes Auto kurz an, das langsam vorbeifährt. Manchmal weist sie die Fahrerinnen und Fahrer an, kurz anzuhalten und wirft einen Blick ins Innere oder fragt danach, wo die Leute hinwollen und ob sie etwas mitführen. Dann wird sie auf die andere Strassenseite zu einem Auto gerufen, wo ein Mann auf Nachfrage angegeben hat, er wisse nicht, wieviel Fleisch er dabeihabe. Salathés Kontrolle des Kofferraums ergibt: Der Mann führt 5 kg Fleisch mit sich – und damit deutlich mehr als die abgabefreien 1 kg. In diesem Fall gibt es keine Busse für den Mann, er muss lediglich die obligatorische Abgabe nachbezahlen.

Chiara Salathé im Einsatz
Chiara Salathé hat jeweils nur ein paar Sekunden Zeit, um zu entscheiden, ob ihr ein Fahrzeug oder seine Insassen verdächtig vorkommen.
GWK kontrolliert Auto
Bei einem Verdacht schauen sich die Grenzwächterinnen und Grenzwächter das Auto genauer an.

Man müsse Menschen schon mögen, um Grenzwächter zu werden, sind sich Salathé und Ott einig. Gerade in Basel Weil/Autobahn seien es nicht nur polizeiliche Aufgaben, welche die Grenzwächterinnen und Grenzwächter wahrnehmen, sondern man versuche auch, den Leuten ihre Fragen zu beantworten und ihnen bei den Problemen zu helfen.

Als nächstes kontrollieren Ott und Salathé gemeinsam ein Auto mit mehreren Insassen. Diese geben an, für mehrere Tage in der Schweiz bleiben zu wollen. Salathé wird stutzig, als sie sieht, dass die Leute praktisch keine Kleidung dabeihaben. «Es kann gut sein, dass die Geschichte stimmt», meint sie. «Damit wir das wissen, müssen wir das Auto aber überprüfen.» Diesmal finden sie nichts Ungewöhnliches und das Auto darf weiter.

Das Besondere an der Arbeit auf der Dienstelle Basel Weil/Autobahn sei die Vielfalt des Verkehrs. «Du hast hier alle möglichen Fälle», sagt Salathé. «Und es läuft sehr viel.» Ott ergänzt: «Man denkt jeden Tag, dass man jetzt alles Mögliche gesehen hat. Und dann kommt wieder ein neuer Fall.»  

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