DaziT wird mit Geofencing weiter aktiviert

Die Smartphone-Apps Activ und Periodic basieren auf dem geografischen Tracking und ermöglichen damit einen schnelleren Grenzübertritt. Das System ist gegenwärtig im Aufbau. Forum Z. war mit dabei, als Diepoldsau (SG) damit ausgerüstet wurde.   

22.10.2020, Yanis Gogniat

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Darstellung Geofence von Diepoldsau zwischen der Schweiz und Österreich.

Das automatische Aktivieren einer Zollanmeldung mit dem Smartphone ist künftig an der Schweizer Grenze möglich. Dank zwei Apps, die sich gegenwärtig in der Einführungsphase befinden: Activ für den Transit von Gütern aller Art und Periodic, das für Massengüter wie Kies verwendet wird (siehe Box unten). Die Apps werden mit unterschiedlichen Schnittstellen betrieben, basieren aber beide auf dem Geofencing, einem System zur Bestimmung der Position und Bewegung eines Fahrzeugs (Geolokalisierung). Bis Ende Jahr sollen alle Schweizer Zollstellen mit Geofencing ausgerüstet sein. Wie das geht? Forum Z. hat den spannenden Vorgang in Diepoldsau (SG) genauer unter die Lupe genommen.

Wie es funktioniert

Wenn Activ-Nutzende einen mit Geofencing ausgerüsteten Grenzübergang passieren, durchqueren sie dabei drei Zonen: die Tracking-, die Activation- und die Confirmation-Zone. In der Tracking-Zone lokalisiert die App die Grenzübergangsstelle. In der Activation-Zone werden die Immatrikulation und das zuvor eingescannte Transitpapier im System erfasst und analysiert. Dem Fahrer oder der Fahrerin wird auf dem Bildschirm des Smartphones angezeigt, ob die Fahrt fortgesetzt werden kann oder ob eine Kontrolle stattfindet, was in weniger als 2 Prozent der Fall ist. Die Confirmation-Zone schliesst den Prozess ab.

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Zonen im Geofence von Activ.

Vom Design zum Betrieb

Claudia Bleisch ist Fachkoordinatorin für das Digitalisierungsprogramm DaziT. Sie ist für das «Design» der Zonen auf der kartografischen Software zuständig, die für das Geofencing verwendet wird. Bei unserem Besuch Ende September 2020 rüstet Claudia Bleisch die Zollstelle Diepoldsau (SG) mit dem System aus. Als erster Schritt werden die Merkmale dieses Grenzübergangs zwischen der Schweiz und Österreich analysiert.

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Grenzübergang Diepoldsau.

Wie aus den Karten unten ersichtlich ist, verläuft die Autobahn A14 auf der österreichischen Seite nahe der Grenze, wo sich das Geofencing-System befindet. Für das Design der Tracking-Zone ist das kein Problem. Komplizierter wird es für das Erstellen der Activation-Zone. Die Activation-Zone darf den Autobahnabschnitt nicht einschliessen. Sonst würde es bei Activ-Nutzenden, wenn sie diese Autobahn auf dem Weg zu einer anderen Zollstelle in der Nähe benutzen und dabei die Activation-Zone von Diepoldsau durchqueren, zu einer rechtlich problematischen Doppelaktivierung kommen. Das muss Claudia beim Design berücksichtigen und dafür sorgen, dass die einzelnen Zonen mindestens 50 Meter Fläche aufweisen, damit Activ genug Zeit hat sie zu identifizieren.

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Claudia Bleisch zeichnet die einzelnen Bereiche auf dem Computer ein: die Tracking-Zone (blau)…
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… gefolgt von der Activation-Zone (rot) und der Confirmation-Zone (grün). So gehts!

Nicht zu schnell!

Nachdem die Umrisse auf dem Bildschirm gezeichnet sind, folgt der Test «in natura». Die erste Phase verläuft gut: Die Testapp hat die verschiedenen Zonen in beiden Richtungen rasch lokalisiert. Auch die wegen der Autobahn auf österreichischer Seite reduzierte Activation-Zone erfüllt die Erwartungen. Das liegt nicht zuletzt an der guten Internetverbindung, die die mobilen Daten vor Ort liefern.

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Tracking? Check. Activation? Check. Auch bei der Confirmation klappts.

Während die erste Phase reibungslos verlief, kommt es beim Testlauf auf Activ zu einigen Problemen. So hat die App zwar die Tracking-Zone identifiziert, nicht aber die anderen Bereiche. Wieder am Computer muss Claudia zusammen mit dem Entwicklungsteam des Systems herausfinden, was nicht funktioniert hat. Der Befund: wir waren zu schnell! Wir hätten bis zu den Tests auf Activ etwa eine Stunde warten müssen, bis die App die Zonen vollständig geladen hat.

Wie gehts weiter?

Dieser Test in Diepoldsau ist der erste einer langen Reihe. Die Apps Activ und Periodic werden im Rahmen ihrer Einführung laufend weiterentwickelt und ausgebaut. Die im Mai 2019 lancierte Activ-App hat bis letzten August 658 Transaktionen durchgeführt, bei der seit Mai 2020 getesteten Periodic-App waren es 176. In den nächsten Monaten werden die Zahlen laut Claudia Bleisch mit dem exponentiellen Anstieg der Nutzenden stark zunehmen. Das Feedback bisher ist vorwiegend positiv, vor allem in Bezug auf die schnelle Abwicklung mit der App, auch wenn bisher noch unabhängig vom Ergebnis auf dem Smartphone an der Grenze angehalten werden muss. Das ist aber nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Vision von DaziT, dass in Zukunft nur noch die Fahrzeuge anhalten müssen, bei denen eine Zollkontrolle stattfindet. Hier findet sich ein Überblick über das Projekt Redesign Fracht/Abgaben.

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In der Woche nach unserem Besuch testet Claudia Bleisch das Geofencing in Müstair (GR).

Activ erleichtert und beschleunigt den Grenzübertritt für Fahrerinnen und Fahrer von Speditions- und Transportunternehmen mit regelmässigen Transitfahrten in, aus oder durch die Schweiz. Gegenwärtig sind rund zwanzig Grenzübergangsstellen mit dem für das Funktionieren der App nötigen Geofencing ausgerüstet. Bis Ende 2020 soll es schweizweit eingerichtet sein. Dann ist der Transit in die Schweiz mit Activ an jeder Schweizer Zollstelle möglich. Die Umsetzung des Transits aus der Schweiz wird voraussichtlich bis im Frühling 2021 dauern. Der Transit durch die Schweiz wird möglich sein, sobald der Transit in und aus der Schweiz an allen Schweizer Zollstellen funktioniert.

Periodic ist eine App zur automatischen Aktivierung periodischer Zollanmeldungen beim Eingang in das Schweizer Zollgebiet. Massengüter wie Kies können damit vereinfacht importiert werden. Seit April 2020 wird die App in einem Pilotprojekt getestet. Sie kann zurzeit nur von Pilotfirmen mit einer Periodic-Bewilligung verwendet werden.

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