Gefälschte Dokumente finden mit Intuition und Erfahrung

Fausto Buletti ist seit vielen Jahren Fachmann für Dokumentenfälschung bei der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV). Er erzählt, was er bereits erlebt hat und welchen Fälschungen er auf die Schliche gekommen ist.

26.08.2019, Nadia Passalacqua, Mediensprecherin EZV

Beim Betreten des Büros von Fausto Buletti hat man den Eindruck, in ein Labor zu kommen, wo Unmengen von Informationen verarbeitet werden müssen. Buletti ist Stabsadjutant des Grenzwachtkorps und Fachmann für Fälschungen. Als solcher arbeitet er in einem nationalen Team, das sich mit gefälschten Dokumenten beschäftigt. Die Ergebnisse können sich sehen lassen, denn Tag für Tag beschlagnahmen die Mitarbeitenden der EZV schweizweit fünf gefälschte Ausweise.  

Fausto Buletti
Fausto Buletti überprüft einige gefälschte Dokumente

Die Intuition spielt dabei eine wichtige Rolle. Fausto Buletti bringt ein Beispiel, wobei er darauf achtet, keine beruflichen Tricks zu enthüllen. «Dieser Fall trug sich vor vielen Jahren zu. Am Grenzübergang von Chiasso-Strada war eine Person angehalten worden, die keinen Ausweis auf sich trug. Zur Erinnerung: Als Ausweis gelten bei uns der Pass oder die Identitätskarte; andere Papiere wie beispielsweise der Fahrausweis dienen nur der Legitimation. Der Mann zeigte uns einen deutschen Fahrausweis und eine italienische Aufenthaltsgenehmigung. Wir fragten uns, warum er wohl eine italienische Aufenthaltsbewilligung, aber einen deutschen Fahrausweis besass. Der Mann war nervös und wir beschlossen, sein Fahrzeug zu durchsuchen. Im Ablagefach fanden wir ein sorgfältig verstecktes, prall gefülltes weisses Kuvert.» Bulettis Hände formen eine Kugel. «Wir vermuteten zunächst Geld oder Drogen. Im Umschlag befanden sich jedoch Fotografien aus dem Jugoslawienkrieg – Aufnahmen von Kriegsverbrechen, die er begangen hatte. Später stellte sich heraus, dass es sich um eine international zur Fahndung ausgeschriebene Person handelte. Dass es uns gelang, ihn zu fassen, war schon ein grosser Erfolg.» Fausto schaut auf seine Unterarme und sagt: «Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, mit was für einem Mann wir da ahnungslos konfrontiert wurden.»

Gefälschte Dokumente: Getrickst wird dort, wo du es am wenigsten erwartest

Fausto Buletti bringt ein zweites Beispiel. Er zeigt uns einen Ausländerausweis. «Ich bringe den Grenzwächterinnen und Grenzwächtern immer bei, die Dokumente, die sie kontrollieren, aus der Brieftasche herauszunehmen, damit ihnen nichts entgeht. Die Fälschung befindet sich rechts auf dem Dokument: Wenn ich behaupte, dass das Geburtsdatum gefälscht wurde, erkennst du die Fälschung?» Wir sehen das kleine Stück Klebeband, das genau auf der Höhe des Geburtsdatums endet, erst, nachdem der Fälschungsspezialist uns darauf hingewiesen hat. «Daran erkennt man, dass die letzte Zahl des Geburtsjahres verändert wurde. Und zwar einfach, indem die Zahl mit einem Skalpell herausgeschnitten und die neue Zahl darüber geklebt wurde. Solche Beispiele bringe ich auch an Schulungen. Stell dir vor: wenn es mir gelungen ist, wie einfach ist es dann für einen Profi, noch viel raffiniertere Fälschungen herzustellen?»

Eines der wichtigsten Werkzeuge für die Suche nach gefälschten Dokumenten sind die Datenbanken: «Es gibt heute Datenbanken von gestohlenen Blanko-Dokumenten, die zum Beispiel in einem Passbüro entwendet und anschliessend mit individuellen Daten personalisiert werden. Es gibt lange Listen solcher Dokumente.»

Pass unkenntlich
Nur wer genau hinsieht, erkennt die Fälschung.
Nummer in Pass
Die letzte Zahl des Geburtsdatums wurde manipuliert.

Morphing: Aus zwei mach drei

Eine weitere Geschichte von Buletti handelt von einem gefälschten französischen Dokument, das im August 2018 entdeckt wurde. «Das folgende Fälschungsverfahren wird als Morphing bezeichnet: Aus den Fotografien zweier Personen, die sich ähneln, wird mit einer Verschmelzung der ersten beiden Bilder ein drittes angefertigt. Es ist ähnlich, aber doch anders. Die ursprüngliche Form des Gesichts wird beibehalten, aber wesentliche Gesichtszüge, wie beispielsweise die Form der Augen, werden verändert».

Aus- und Weiterbildung ist wichtig

Im Tätigkeitsbereich der Dokumentenfälschung gibt es ständig Neues. «Es braucht Zeit, um alles zu lernen», so Buletti. «Die Aus- und Weiterbildung spielt deshalb eine wichtige Rolle. Alle Grenzwächterinnen und Grenzwächter absolvieren eine Grundausbildung, die mit Weiterbildungsmodulen und Auffrischungskursen ergänzt wird». Auf keinen Fall fehlen dürfen jedoch eine ausgeprägte Intuition und viel Erfahrung auf dem Terrain.

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