Von der «Grenzwachtkaserne» zum «Campus EZV» (Teil 3)

2019 werden an den Gebäuden und auf dem Areal des Campus EZV Ausbesserungs- und Instandhaltungsarbeiten ausgeführt. Aus diesem Anlass beleuchten wir in einer dreiteiligen Serie die Ursprünge des heutigen Campus EZV und seine Entwicklung. Der dritte Beitrag erzählt, wie die «Eidgenössische Zollschule» durch das «Ausbildungszentrum der Eidgenössischen Zollverwaltung» (AZL) abgelöst und zum heutigen Campus EZV wurde.

22.03.2019, Attila Lardori, Chef Betrieb Campus EZV

«Keine Kaserne, sondern eine moderne Ausbildungsstätte für die Grundausbildung und Fortbildung der Beamten von Grenzwacht und Zoll». Das war die Zielsetzung des Architekturbüros «Zwimpfer + Meyer, Basel», das 1977 den Projektauftrag für das neue «Ausbildungszentrum der Eidgenössischen Zollverwaltung» erhielt. Denn die bisherige «Eidgenössische Zollschule», die im ehemaligen städtischen Zeughaus der Gemeinde Liestal untergebracht war, erfüllte schon in den 1960er-Jahren längst nicht mehr die Anforderungen an eine moderne Ausbildungsstätte.  

Grafisches Betriebskonzept des neuen Ausbildungszentrums EZV
Grafisches Betriebskonzept des neuen Ausbildungszentrums EZV (Zollrundschau 05/1981)

Der lange Marsch

Bereits 1963 war ein Neubauprojekt für «diesen umgebauten Zeughausschuppen» erarbeitet und sogar eine Auslagerung der «Schulung der technischen Zollbeamten» in die französischsprachige Schweiz in Betracht gezogen worden. Die veranschlagten Kosten von 11.2 Millionen Franken wurden aber als zu kostspielig beurteilt und das Projekt begraben.

1969 unterbreitete die Oberzolldirektion dem Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements, Bundesrat Nello Celio, einen neuen Projektantrag. Ab 1971 wurden die ersten Abklärungen durchgeführt. 1973 kam aus dem EFD dann die erhoffte Zusage für einen Neubau. 1978 wurde per Bundesbeschluss ein Objektkredit von 18 498 000 Franken gesprochen und rund ein Jahr später, am 28. August 1979, erfolgte die Grundsteinlegung durch Oberzolldirektor Paul Affolter.

Am 15.10.1981, rund 12 Jahre nach der Projekteingabe, war es dann endlich soweit: Im Beisein von Bundesrat Willy Ritschard und weiteren 140 Offiziellen und Gästen konnte das «Ausbildungszentrum der Eidgenössischen Zollverwaltung» (AZL) feierlich eingeweiht werden.

Legung des Grundsteins für den Neubau des Ausbildungszentrums der Eidgenössischen Zollverwaltung durch Oberzolldirektor Paul Affolter
Legung des Grundsteins für den Neubau des Ausbildungszentrums der Eidgenössischen Zollverwaltung durch Oberzolldirektor Paul Affolter (mit weissem Helm).

Das AZL damals…

Das AZL wurde auf einer Fläche von 20 000 m2 errichtet. Grosszügig sollte der Bau sein, schlicht und einfach im Aufbau, zweckmässig, freundlich und angenehm für die Benutzer. Das bauliche Konzept basierte auf den drei Hauptbereichen «Schulung», «Sport» und «Unterkunft/Verpflegung», das architektonische Konzept auf der Verwendung von traditionellen Materialien wie Sichtbackstein, Klinker, Holz oder Kalksteinblöcken. Diese sollten dem Raumerlebnis eine rustikale Note verleihen und der erhöhten Beanspruchung durch die vielen, ständig wechselnden Benutzer standhalten.  

Empfangsschild des Ausbildungszentrum EZV
Empfangsschild des Ausbildungszentrum EZV (AZL)

Die drei Gebäude wurden um einen Innenhof gruppiert, dessen Zentrum auch heute noch das Werk des Bildhauers Peter Hächler aus Lenzburg mit dem Titel «Grenze» ziert, im Zollvolksmund liebevoll einfach «der Würfel» genannt.

Das Ausbildungszentrum EZV (AZL) in den 1980er-Jahren
Das Ausbildungszentrum EZV (AZL) in den 1980er-Jahren

Der Campus EZV heute…

Was hat sich seit damals verändert? Die alte «Grenzwachtkaserne» und spätere «Eidgenössische Zollschule» ist der Turnhalle gewichen. Die Hauptbereiche «Schulung» und «Unterkunft» wurden 2015 durch je ein Gebäude in Modulbauweise aus Holz ergänzt, um mehr Platz für die Ausbildung und Unterbringung zu schaffen. Das AZL wurde am 29. Mai 2018 durch EZV-Direktor Dr. Christian Bock offiziell in «Campus EZV» umbenannt, was der heutigen Begriffsdefinition im Sinne eines lockeren, modernen und auf Lehre ausgelegten Gebäudekomplexes eher gerecht wird und die Bedeutung dieser Institution in der Ausbildungslandschaft der Schweiz auch sprachlich unterstreicht.
 

Baubeginn Modulbau am Schulgebäude im 2015
Baubeginn Modulbau am Schulgebäude im 2015

Der Campus EZV morgen

Mit den geplanten Ausbesserungs- und Instandhaltungsarbeiten in 2019 wird sich das äussere Erscheinungsbild des Campus EZV nicht wesentlich verändern. In Zusammenhangmit dem Transformationsprogramm «DaziT» sind jedoch im «Innenleben» des Campus EZV bereits spürbare Prozesse in Gang gesetzt worden, insbesondere in Hinblick auf die betrieblichen Strukturen und die Ausbildung. Die Ausbildung der EZV damals im AZL ist nicht die Ausbildung von heute oder morgen im Campus EZV.

Der Campus EZV heute
Der Campus EZV heute

Was bleibt?

Etwas, das bleibt, ist der Standort. Für alle Aspirantinnen/Aspiranten, Kursteilnehmenden und Gäste des Campus EZV heisst es weiterhin: «Der Weg, der uns nach Liestal führte…» (nach Karl Spitteler). Denn Ideen, die Ausbildungsstätte des Schweizer Zolls an einen anderen Standort zu verlegen, wurden verworfen.

Auch die roten Sichtbacksteine, die dem Campus EZV das so typische Erscheinungsbild geben, bleiben.

Eine Aussage aus der Rede des ehemaligen Oberzolldirektors Paul Affolter anlässlich der Einweihungsfeier des AZL besitzt auch heute noch ihre Richtigkeit und bildet deshalb an dieser Stelle das Schlusswort für diese dreiteilige Artikelserie: «Eine moderne Infrastruktur und Lehrprogramme machen noch kein gutes Schulungszentrum aus. Wichtig sind die Lehrkräfte. Sie sind die Träger des Geistes, der in der Schule herrscht…».

«Der Weg, der uns nach Liestal führte, wurde uns zur heiligen Strasse!»
(Karl Spitteler, Schweizer Dichter, 1845-1924)

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