Eine sprachliche Reise zu den Wurzeln des Zolls

Woher stammen die Wörter «Zoll», «douane» und «dogana»? Über weitgereiste Wörter und die überraschende Tatsache, dass der Zoll sprachlich mit einem Sofa verwandt ist.

28.07.2020, Yvonne Siemann

Zunächst einmal gilt es zu unterscheiden: im Deutschen kann das Wort «Zoll» sowohl eine Abgabe bei der Ein- oder Ausfuhr von Waren aus einem Hoheitsgebiet bezeichnen wie auch die Behörde, die diese Abgaben einnimmt und verwaltet. Dazu kennen wir auch noch den Brücken- und den Wegzoll; diese Begriffe werden vor allem in historischen Zusammenhängen benutzt. Schliesslich gibt es noch das Längenmass «Zoll» (Englisch: inch), mit dem heute noch Bildschirmdiagonalen gemessen werden. Allerdings hat das Wort einen anderen Ursprung: Es geht wahrscheinlich auf ein mittelhochdeutsches Wort mit der Bedeutung «Klotz» oder «Zapfen» zurück.

Von Griechenland nach halb Europa

Das Zollwesen gab es schon in der Antike und so kann man das deutsche Wort «Zoll» auch weit zurückverfolgen. Pate stand das spätlateinische Nomen «telonium», das «Zahlung» und «Zollhaus» bedeutet. Das wiederum ist vom Griechischen «telos» abgeleitet, das für «Steuer», «Kosten» wie auch für «Ende» oder «Grenze» steht. Auf Deutsch ist das Wort «zol» erstmals im 8. Jahrhundert als «Zollgebäude» nachgewiesen; erst später wurde es auch für die Abgabe selbst gebraucht. Verwandt sind auch die Begriffe in den skandinavischen Ländern, wie das schwedische «tull» oder das finnische «tulli». Der deutsche «Zoll» wurde schliesslich zum polnischen «cło» und zum tschechischen und slowakischen «clo».

Das englische «toll» steht ebenfalls für eine Gebühr, insbesondere für die Strassenbenutzung. Gewöhnlich wird «Zoll» auf Englisch aber mit «customs» übersetzt. Die Ähnlichkeit zu «custom», also «Gewohnheit», «Tradition», ist wohl nicht zufällig: Der Zoll wurde im Mittelalter als «übliche Abgabe» bezeichnet.

Zollschild deutsch-slowakisch
Deutsch-slowakisches Zollschild

Von Sofas und Herbergen

Die romanischen Sprachen haben sich in Bezug auf den Zoll-Begriff dagegen vor allem am Arabischen und Persischen orientiert. 1281 wird das Wort «dohanne» in Neapel mit der Bedeutung «Gebäude, wo die Ein- und Ausfuhrzölle eingenommen werden» [édifice où sont perçus les droits d'entrée et de sortie des marchandises] nachgewiesen. Für 1441 ist dann auch die Bedeutung «Zollabgabe» belegt. Ursprünglich kommen sowohl das französische «douane» wie auch das italienische «dogana», das romanische «duana» und das spanische «aduana» über das Arabische vom persischen «diwan». Der Diwan war nämlich nicht nur wie heute zum Ausruhen da, sondern stellte vor allem ein Herrschaftssymbol dar. Der Begriff stand daher auch für ein Büro, eine Behörde ebenso wie für eine Ratsversammlung und ihre einzelnen Mitglieder und fand im 19. Jahrhundert mit der Bedeutung «prächtiger Versammlungssaal» Einzug in westliche Sprachen. Bekannt wurde auch Goethes «Westöstlicher Diwan»; hier bezeichnet der Begriff eine bestimmte Gedichtsammlung.  

Diwan im Roten Fort im indischen Agra
Ein Diwan im Roten Fort im indischen Agra

Copyright © Diwan: Acred99 at English Wikipedia, Agra-Fort-Diwan-i-Am-Hall-of-Public-Audience-Apr-2004-03, CC BY-SA 3.0

Ob die portugiesischen Zollstationen gemütlich mit Sofas ausgestattet waren, entzieht sich unserer Kenntnis. Zumindest präsentiert sich der Zoll hier gastfreundlich: Das Wort «alfândega», das ebenfalls aus dem Arabischen kommt, steht für eine offizielle Herberge für auswärtige Händler, wo sie auch gleich die Zölle bezahlten. «Al-funduq» bedeutet heute noch «Hotel» auf Arabisch.  

Alfândega-Manaus
Die «alfândega» im brasilianischen Manaus war zwar kein Gasthaus, ist aber trotzdem heute eine Touristenattraktion

Copyright © Zollgebäude: JLPizzol, Alfândega-Manaus 16-04-2015-, CC BY-SA 4.0

Auch das Wort «Tarif» - Arabisch für «Bekanntmachung» oder «Gebührenliste» - gelangte im Mittelalter ins Italienische. Nach einem Umweg über Frankreich kennt man es seit dem 17. Jahrhundert im deutschen Sprachraum. So bekam auch andalusische Tarifa seinen Namen, da es an der Meerenge von Gibraltar direkt gegenüber von Marokko liegt und damit an einer Grenze.

Eine weitere arabische Anleihe ist die «gabelle». Über das italienische «gabella» stammt sie von «qabala» ab, was für «Steuer» und im weiteren Sinn für «erhalten» steht. Einst eine Steuer auf Lebensmittel, war sie ab 1350 unter dem Ancien Regime für das Salzregal reserviert, das von den «gabelous» eingetrieben wurde – noch heute eine wenig freundliche Bezeichnung für Zöllner.

Interessanterweise kommen das türkische «gümrük», das arabische «jumruk» und das persische «gomrok», was jeweils «Zoll» bedeutet, wiederum vom lateinischen «commercium». Die Reise des Begriffs verlief hier also genau umgekehrt. Mittellateinischen Ursprungs ist auch das italienische «dazio» und das romanische «dazi», gut bekannt wegen DaziT, dem Modernisierungs- und Transformationsprogramm der EZV. Beide kommen von «datio», was für «Geben, Gabe» stand und heute die Zollabgabe bezeichnet.

Redensarten aus dem Wortfeld

Wörter rund um den Zoll haben auch Einzug in verschiedene Redewendungen gefunden. Wenn man jemandem «Respekt zollt», erweist man ihm oder ihr Anerkennung. Weniger schön dagegen ist der «Blutzoll», der für die Verluste an Menschenleben im Krieg oder Konflikt steht. «Fare lo scemo per non pagare il dazio» [sich blöd stellen, um den Zoll nicht zu zahlen] bedeutet schliesslich, dass jemand den Dummkopf mimt, um die eigenen Interessen durchzubringen.  

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