Spürnasen im Dienste des Artenschutzes

Elfenbein-Schnitzereien, Shahtoosh-Schale, Schlangenlederschuhe: Der Handel mit geschützten Tierarten oder Produkten daraus ist stark reglementiert. Um dies besser überwachen zu können, hat die Eidgenössische Zollverwaltung elf weitere Spürhunde auf exotische Gerüche ausgebildet. Ein Besuch vor Ort.

09.08.2021, Tabea Rüdin

Diensthund im Einsatz

Schwanzwedelnd und voller Tatendrang stürmt Diensthund Gino los und schnuppert sich an Wänden entlang, untersucht Stühle, Kisten und Gerümpel. Bis er plötzlich reglos verharrt. Es klickt, ein Spielzeug kommt geflogen und es gibt kein Halten mehr: Gino schnappt sich das Spielzeug, rennt voller Freude zu seiner Hundeführerin, sie spielen und er wird gelobt. Die Hundeführerin ist glücklich, weil Gino das versteckte Elfenbein entdeckt hat; Gino, weil er sein Spielzeug «gefunden» hat. «Wir arbeiten ausschliesslich mit dem Spiel- und Beutetrieb der Hunde», erklärt Lucia Studer, Chefin Diensthundewesen der EZV und Verantwortliche für die Grundausbildung im Artenschutz, die elf Diensthunde der EZV gerade durchlaufen. Wobei als Spielzeug oftmals ein zusammengerolltes Frotteetuch dient: waschbar, hygienisch und praktisch, da somit keine Oberflächen mit Gerüchen kontaminierend.

Neun Grundgerüche für ein ganzes Tier- und Pflanzenspektrum

Um den Diensthunden die gesuchten Gerüche beizubringen, müssen diese zunächst einmal beschafft werden: Dies geschieht mit der Unterstützung von Zoos, die für Ausbildungszwecke unter anderem Haare, Federn und sogenannte Abriebe von Tieren zur Verfügung stellen, oder auch mittels sichergestellter Produkte wie Krokodillederschuhen. Dann kommt eine sogenannte Anzeigewand zum Einsatz: Lucia Studer zeigt auf eine grosse, lange Wand voller Zahlen und Löchern. «Darin platzieren wir einen Geruch – riecht der Hund am entsprechenden Loch, kommt ein Ball durch die Wand geflogen». So beginne der Hund den entsprechenden Geruch immer mehr mit Belohnung zu verbinden. Neun Grundgerüche lernen die Hunde kennen: Darunter Offensichtliche wie Elfenbein, Papageienfedern für Gefiedertiere, Pythonhaut für Reptilien oder Shahtoosh-Schale, die aus der Wolle der geschützten Tibetantilope gefertigt sind. Ebenfalls darunter: Lamahaare. Diese stehen stellvertretend für sämtliche Felltiere – kennt der Hund also Lama, findet er auch sämtliche artverwandten Gerüche, wie jene von Affen oder Raubkatzen. Auch Kaktus wird ausgebildet, da die wild wachsenden Stachelgewächse ebenfalls geschützt sind.

Möglichst diskrete Arbeitsweise

Mit dem Erkennen eines Geruchs alleine ist es aber noch nicht getan: Da viele Reisende Angst vor Hunden haben, sollen die Hunde bei einem Fund weder bellen noch mit dem Pfötchen scharren. Gewünscht ist eine diskrete Art der Anzeige: Verharren, absitzen oder -liegen. «Dies verhindert auch Schaden an Gepäckstücken», wie Kursleiterin Lucia Studer ausführt. Und tatsächlich tragen einige der Hunde an den Vorderpfoten eine Art Schuhe zum Schutz der Koffer und Taschen. Ob sich darin problematische Güter befinden, finden sie dank ihrer feinen Nase und dem durchlaufenen Training aber auch so heraus – stets voller Motivation auf der Suche nach ihrem Spielzeug.
 

Der Artenschutz (CITES) ist einer von derzeit über 100 Bereichen, die die EZV ausserhalb des Zollrechts vollzieht. Geregelt ist er durch das Washingtoner Artenschutzabkommen, nach dem mittlerweile viele geschützte Tier- und Pflanzenarten, respektive Teile oder Erzeugnisse daraus, strengen Ein-, Aus- und Durchfuhrbestimmungen unterliegen. So werden die nunmehr insgesamt 15 CITES-Spürhunde der EZV beispielsweise im Reiseverkehr an Flughäfen oder bei der Kontrolle von Frachtsendungen eingesetzt. Bei entsprechenden Funden wird überprüft, ob die artenschutzrelevanten Dokumente vorhanden sind. Andernfalls werden die Tiere oder deren Produkte vorläufig sichergestellt und dem zuständigen grenztierärztlichen Dienst für das weitere Verfahren gemeldet, respektive übergeben.

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