Schöne Bescherung

Weihnachten rückt immer näher und von Tag zu Tag wächst auch der Druck, noch schnell-schnell ein passendes Weihnachtsgeschenk zu organisieren. Doch wo findet man in der kurzen Zeit noch etwas Passendes? Einmaliges? Kein „Null-acht-fünfzehn“-Geschenk? – Ein Blick hinter die Kulissen von Onlinekäufen aus dem Ausland und ihren Tücken …

20.12.2018, Corinne Wirth

Das Internet ist längst die grösste Einkaufsmeile der Welt. Nirgends sonst findet man so eine grosse Auswahl an unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten. Das Internet kennt nun mal keine Grenzen! So agieren Onlineshops längst grenzüberschreitend. Auch ist es heute ein Leichtes, neue Artikel in Online-Shops direkt im Ausland zu bestellen, bevor diese die Schweizer Läden überhaupt erreichen. Das gilt nicht etwa bloss für IT-Artikel aus Asien oder Amerika. Sondern auch für Designerklamotten, Schmuck und Kunstwerk. Auch Raritäten, Wundersames und Ausgefallenes findet man online wesentlich schneller und einfacher als auf herkömmlichen Pfaden. Hand aufs Herz: Wer hat heute noch nie etwas online eingekauft?  

Doch Vorsicht!

Nicht alles, was sich im Internet so toll und einmalig präsentiert, entspricht der Realität oder dem Schweizer Gesetz! Hoch im Trend sind gerade Medikamentenbestellungen aus dem Ausland. Da sind Medikamente nämlich oftmals günstiger als in der Schweiz oder es sind solche verfügbar, die hierzulande gar nicht erhältlich sind. Heinz Widmer, Zollinspektor Zürich-Flughafen, warnt: «Man weiss nie, was man bekommt». Im Ausland herrschen andere Gesetze. Medikamente können dort unter Umständen Substanzen enthalten, die in der Schweiz noch nicht offiziell zugelassen oder gar verboten sind.

Ein regelrechter Hype herrscht im Darknet zurzeit mit neuen, synthetisch hergestellten Designerdrogen, die mit ansprechenden Namen wie «Angel Dust», «Black Beauty» oder «Flying Horse» locken. Längst haben diese synthetisch hergestellten Drogen die herkömmlichen Drogen wie Haschisch oder Heroin abgelöst. Das Problem mit den neuen Designerdrogen: ihre Substanzen variieren sehr stark. Zum Teil haben sie eine 20- bis 40-fach stärkere Wirkung als Heroin. Oder sie werden so stark mit Rattengift gestreckt, dass der Empfänger sich über kurz oder lang selbst vergiftet. Darum empfiehlt sich: Hände weg von ausländischer Chemie unbekannter Herkunft. Das gilt übrigens auch für Kosmetikartikel, Potenzmittel oder Nahrungsergänzungsprodukte. Generell gilt: Bestellen Sie nur bei renommierten Firmen. Diese deklarieren in der Regel die Herkunft ihrer Zutaten und sind zertifiziert.

Im Briefzentrum

Vier Millionen pro Tag! So viele Importsendungen landen im Dezember jeweils im Briefzentrum Zürich-Mülligen, bestätigt Andreas Weber, Leiter Operations und TQM: «Das sind rund 60% mehr als unter dem Jahr». Davon gelangen rund 200‘000 Sendungen in den offiziellen Verzollungsprozess. Rund acht Mitarbeitende der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) wickeln die Verzollung ab und bekämpfen überdies den Warenschmuggel mit Stichprobenkontrollen. Bei Bedarf kann Tanja Brunner, Abteilungsleiterin Zollinspektorat, auch mal ein ganzes Land «sperren» lassen: Sämtliche Sendungen aus dem entsprechenden Land müssen dann von der Post direkt dem Zoll zur Kontrolle übergeben werden. Keine einzige Sendung darf in die Schweiz eingeführt werden, bevor diese vom Zoll freigegeben wird.  

Postzentrum: Sortierrutsche
Paketflut vor Weihnachten in Zürich-Mülligen
Postzentrum: Förderband

Solche Massnahmen bedeuten für die Zöllnerinnen und Zöllner ein gewaltiges Mass an Zusatzaufwand. Dieser zahlt sich in der Regel aber auch aus. Denn mit solchen Aktionen wird nicht nur der Schmuggel bekämpft, sondern auch die Sicherheit von Bevölkerung und Wirtschaft gewährleistet, indem z. B. illegale Substanzen, Waffen oder gefälschte Markenartikel beschlagnahmt werden. Weitere Schwerpunktaktionen im Briefzentrum finden in der Regel in Zusammenarbeit mit dem Grenzwachtkorps statt. Da kommen auch schon mal Drogenspürhunde zum Einsatz.

Anonyme Schmuggler – bestrafte Empfänger

Moderne Schmuggelwege führen heute oftmals über die Post, denn ein grosser Vorteil liegt im anonymen Versand. Der Absender kann seine Ware unter falschen Angaben über verschiedene Länder verschicken, ohne je seine Identität preisgeben zu müssen. Anders so bei Kurierdiensten, die Daten sowohl vom Absender, als auch vom Empfänger registrieren.

Was geschieht eigentlich mit konfiszierten Sendungen? Das Zollinspektorat übermittelt den zuständigen Behörden im Kanton des Empfängers die beschlagnahmte Sendung oder vernichtet die Ware auf Weisung der entsprechenden Behörde. Konfiszierte Drogen werden der Polizei übergeben, Waffen der Staatsanwaltschaft. Delikte werden je nach Kanton unterschiedlich geahndet. Wird zum Beispiel ein Deliktgut im Kanton Bern als Bagatelldelikt abgestempelt und gar nicht erst geahndet, so kann das genau gleiche Deliktgut im Kanton Aargau mit einer Busse von bis zu 1‘500 Franken und einem Eintrag ins Strafregister quittiert werden.

Postzentrum: Brief abtasten
Schmuggelbekämpfung am Laufband

Tipps und Tricks

Damit ein im Ausland bestelltes Geschenk aus dem Internet rechtzeitig unter den Weihnachtsbaum gelegt werden kann, empfiehlt sich eine frühzeitige Bestellung mit einer korrekten Wertangabe. Die dümmsten Fehler sind unglaubwürdige Wertangaben. So kann eine Natelhülle aus China zum Beispiel effektiv einen Wert von nur 40 Rappen haben, nicht so aber ein Smartphone. Wertrückfragen der Post verzögern den Verzollungsprozess unnötig bis zu einer Woche. Für kurzfristige Geschenke empfiehlt sich also der Kauf bei einem Schweizer Onlinehändler. Da entfällt der Verzollungsprozess und das Geschenk erreicht seinen Empfänger auf direktem Weg. Hinzu kommt, dass, falls das Geschenk defekt ist oder nicht gefällt, es nach Weihnachten meist problemlos umgetauscht werden kann. Da ist man auf der sicheren Seite. Damit die Bescherung an Weihnachten effektiv eine schöne ist und nicht etwa in einer «schönen Bescherung» endet.

Weihnachtsbaum und Cheminée
Frohe Weihnachten!
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