4800 Schiffe bringen rund 120'000 Container in die Schweiz

Das Binnenland Schweiz hat 2018 an seinen drei Basler Rheinhäfen insgesamt 4'800 Schiffe abgefertigt und 120'000 Container umgeschlagen. Das entspricht ca. zehn Prozent aller Importe.

07.01.2020, Corinne Wirth

Lebensmittel aus Asien, Spielzeug aus China, Autos aus den USA, Mineralöle aus dem Nahen Osten, Futtermittel und Flussschiffspassagiere, alles will per Wasser in die Schweiz. Die Inlandzollstelle mit Grenzverkehr Basel St. Jakob stellt sicher, dass an den drei Rheinhäfen Basel Kleinhüningen, Birsfelden und Muttenz alles seine Richtigkeit hat. Kontrolliert werden kann allerdings nur ein Bruchteil aller täglichen Einfuhren. Auf Basis einer fundierten Risikoanalyse werden gezielte Kontrollen vorgenommen. Nicht selten arbeiten Zoll und Grenzwachtkorps (GWK) Hand in Hand, insbesondere wenn es darum geht, ein ganzes Schiff mit seinen zahlreichen Hohlräumen zu untersuchen. Denn die Versteckmöglichkeiten für Schmuggelware sind auf einem Schiff fast grenzenlos. Zum Einsatz kommen nebst Hunden auch Endoskope, um in entlegenste Winkel einzusehen.

Containerterminal Kleinhüningen
Vom Schiff auf die Schiene oder Strasse: Containerterminal Kleinhüningen

Multifunktionales Umschlagszentrum

Die Schweizerischen Rheinhäfen bilden die nationale Verkehrsdrehscheibe an der Handelsverkehrsachse Rotterdam-Basel-Genua. Sie sind das Umschlagszentrum zwischen den Verkehrswegen Wasser, Schiene und Strasse. Rund zehn Prozent aller Importe gelangen auf diesem Weg in die Schweiz. Nebst der Erhebung von Steuern und Abgaben übernehmen hier Zoll und GWK wichtige Funktionen zum Schutz und zur Sicherheit von Bevölkerung, Wirtschaft und Staat. Sie kontrollieren zum Beispiel, ob Lebensmittel aus Asien den veterinärrechtlichen Anforderungen entsprechen und ob sie lebensmittelrechtlich verkehrsfähig sind, so im Fachjargon. Konkret heisst das, sie kontrollieren, ob die Handelsware in der Schweiz zugelassen ist und wenn, dass sie weder feucht, verschimmelt noch verdorben ist. Sie kontrollieren aber auch, ob die Kühl- oder Lagerkette eingehalten wurde.

Gasprüfung
Bevor ein Container geöffnet werden kann, muss geprüft werden, ob er nicht giftige Gase enthält.

Anspruchsvolle Kontrollen

Bevor ein Container überhaupt geöffnet werden kann, kommt ein Gasmessgerät zum Einsatz. Mittels Sonde wird gemessen, ob der Container giftige Gase aufgrund der Herstellung oder Haltbarmachung seiner Fracht enthält. Erst bei Entwarnung wird der Container geöffnet und seine Ladung anhand der Frachtpapiere überprüft. Jeder geöffnete Container wird zuerst mittels Schnelltest auf Betäubungsmittelkontaminierung überprüft, um allfällige beigeladene Betäubungsmittel zu erkennen. Das meist zweiköpfige Kontrolleinsatzteam entscheidet situativ, ob eine Probe der Handelsware zur genaueren Laboruntersuchung entnommen werden soll oder nicht. Was viele nicht wissen: auch Kinderspielzeug oder Geschirr fällt unter das Lebensmittelrecht und kann gesundheitsschädliche Oberflächenbehandlungen aufweisen. Nicht ganz einfach ist oftmals auch das Definieren der richtigen Bemessungsgrundlage, zum Beispiel bei Privatimporten von Fahrzeugen aus den USA. Denn da wird gerne mal bei der Wertangabe geschummelt.

Plombe aufbrechen
Die Plombe wird aufgebrochen, um den Inhalt zu kontrollieren.

Im Trend: Rip-off

Schmuggler werden stets raffinierter und einfallsreicher. Ihr neuster Trend heisst «Rip-off». Dabei werden Container mit scheinbar «harmloser» Fracht aufgebrochen und Drogen oder Waffen zwischen der Handelsware versteckt. Verschlossen wird der Container entweder mit einer gestohlenen Containerplombe oder einer aus dem 3D-Drucker täuschend echten Nachproduktion. Von aussen also schwer erkennbar. Bei Verdachtsmomenten werden Container zurückbehalten und per Achse an die Freiburgstrasse transportiert. Dort durchlaufen sie einen minutiösen Scanning- und Kontrollprozess, der allfällige «blinde Passagiere» aufdeckt. Bislang wurde an den Basler Rheinhäfen kein Menschenschmuggel aufgedeckt. Der Transport per Container ohne Licht und Luft bietet dazu auch keine ideale Grundlage.

Keine Kristallgläser für Nordkorea

Eine weitere Aufgabe des Schweizer Zolls ist die Kontrolle der Einhaltung von Embargos. So dürfen beispielsweise keine Luxusgüter aus der Schweiz nach Nordkorea geliefert werden, auch nicht als Umzugsgut eines Diplomaten. Patrik Ackermann, Leiter Bereich mobile und nachgelagerte Kontrollen, erzählt von der Schwierigkeit, einen Container mit Umzugsgut zu kontrollieren, wenn zig Personen auf Platz herumwuseln und die Zöllner ablenken. So hat denn auch schon mal ein Diplomat versucht, kurz vor der Plombierung einen Karton mit Kristallgläsern noch schnell in den Container zu legen. Leider erfolglos. Die Gläser wurden konfisziert und dem SECO übergeben. Denn bei Embargo-Aktionen sind meist auch Vertreter des Staatssekretariats für Wirtschaft vor Ort.  

Maschinenraum überprüfen
Auch der Maschinenraum wird genaustens überprüft.

Der Kapitän bezahlt bar

Im vergangenen Jahr legten fast 1000 Flusskreuzfahrtschiffe mit total 300'000 Betten in Basel an. Tendenz steigend. Kontrolliert werden nebst Schiffspapieren und Passagierpersonalien auch der Kapitän und seine Besatzung. Je nach Herkunftsland brauchen diese ein Visum; gleichzeitig wird überprüft, ob sie nicht etwa polizeilich zur Fahndung ausgeschrieben sind. Zusammen mit dem Kapitän wird die Menge an Betriebsstoff in den verschiedenen Tanks kontrolliert, Fette und Öl inklusive; dies geschieht sowohl bei der Ankunft, als auch kurz vor Abfahrt. Alle Schiffsvorräte aus dem Ausland – Fleisch, Spirituosen, Wein und Souvenirs werden verplombt, denn zum Verzehr und Verkauf sind nur Waren aus der Schweiz zugelassen. Die Mineralölsteuer sowie die CO2-Abgabe wie auch der Arbeitsaufwand für Eingangs- und Ausgangsbeschau bezahlt der Kapitän direkt in bar.

Basilisk Zollboot
Die «Basilisk» sichert das Schweizer Grenzgewässer am Rhein.

24/24

Das Schweizer Grenzwachtkorps sichert die Basler Rheinhäfen und das internationale Gewässer während 24 Stunden an 365 Tagen und verfügt dazu über ein eigenes Grenzwachtboot. Die «Basilisk» ist mit zwei 170 PS starken Motoren und einer ausfahrbaren Leiter ausgestattet, speziell konzipiert zum Besteigen von fahrenden Schiffen mit hohen Bordwänden. Im Grenzgewässer wird polizeilich über die Landesgrenzen hinaus eng zusammengearbeitet, so etwa mit der französischen Gendarmerie, der deutschen Wasserschutzpolizei und auch dem Rettungsverbund Rhein. Thomas Mangold, Stabsoffizier der Grenzwachtregion I, berichtet von zahlreichen erfolgreichen Rettungseinsätzen; zum Beispiel von einem Containerschiff mit 1887 Tonnen, das im Sommermonat Juli bei regem Verkehr auf dem Rhein plötzlich Manövrierprobleme hatte und infolge eines Ausfalls des Hauptantriebs mit zwei Brücken kollidierte. Der Havarie-Alarm wurde ausgelöst und das Grenzwachtkorps sicherte die Schwimmzone und den Rhein. Das Containerschiff wurde durch die «Basilisk» begleitet und unterhalb der Dreirosenbrücke gesichert. Eine erfolgreiche Bergung ohne Verletzte.  

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