«Ich freue mich auf den Start der neuen Ausbildung»

Im August 2021 beginnt die neue zweijährige Ausbildung der Fachspezialistinnen und Fachspezialisten Zoll und Grenzsicherheit. Der Projektleiter des Detailkonzepts, Christophe Grosjean, verrät im Interview mehr zu den Inhalten.

19.01.2021, Yvonne Siemann

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Aspirantinnen und Aspiranten am EZV-Campus in Liestal

Projektleiter Christophe Grosjean stellt die neue Ausbildung zum Fachspezialisten/zur Fachspezialistin Zoll und Grenzsicherheit vor, die im August 2021 startet.

Was bedeutet die neue Ausbildung für die Transformation der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) zum Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG)? 
Das neue Berufsbild und die neue Ausbildung sind ein wichtiger Pfeiler der Transformation. Da die operativen Bereiche von ZOLL und GWK zusammengelegt wurden, wird es zum ersten Mal auch keine getrennte Ausbildung für Zollfachleute beziehungsweise Grenzwächterinnen und Grenzwächter mehr geben. Die Ausbildung ist damit breiter geworden. Das macht die Lerninhalte wie auch die Arbeit aus meiner Sicht interessanter. Es ist für uns sehr spannend, gleichzeitig die lange Ausbildungstradition der EZV fortzuführen und die neue Ausbildung auf die neuen Herausforderungen auszurichten. Wie alle Lehrgänge wird natürlich auch dieser in der Zukunft an neue Anforderungen angepasst werden. Das macht es für die ersten Aspirantinnen und Aspiranten sicher auch spannend, da sie die Ausbildungsinhalte mitprägen können.

Wie ist die neue Ausbildung aufgebaut?
Die Ausbildung besteht aus zwei Teilen: der Basisausbildung, die für alle gleich ist, und der Spezialisierung in einer der drei Fachrichtungen: Personen, Waren und Transportmittel.

Die Basisausbildung ist in vier Phasen aufgeteilt. Am Anfang lernt man, wie man sich bei einer Kontrolle verhält. Danach kommen immer mehr Kompetenzen hinzu, bis man eine einfache Kontrolle von Person, Ware und Fahrzeug selbstständig durchführen kann. Die Spezialisierung besteht schliesslich aus je zwei Modulen, wo sich die Teilnehmenden mit komplexeren und selteneren Fällen auseinandersetzen. Zum Beispiel, wie man überprüft, ob bei Gefahrguttransporten alle Vorschriften eingehalten werden oder wie man Einvernahmen durchführt.

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Übersicht über die einzelnen Ausbildungsniveaus und -module

Oder nehmen wir das Beispiel der Kompetenz «Waren im Reiseverkehr überprüfen». Wir haben eine Arbeitssituation definiert, mit allen dazugehörenden Handlungen von der Befragung bis zur Einkassierung der Abgaben. Daraus haben wir dann die Lerninhalte abgeleitet. Zuerst die theoretischen Kenntnisse, wie zum Beispiel die Freimengen und die Wertfreigrenze, und danach die praktischen Fertigkeiten, beispielweise die Prüfung der angemeldeten Ware oder die Berechnung der zu bezahlenden Abgaben.

Die Aspirantinnen und Aspiranten erlernen so insgesamt rund 70 Kompetenzen Schritt für Schritt. Was sie im Klassenzimmer gelernt haben, setzen sie in die Praxis um und trainieren es. Wichtig ist, dass sie am Schluss selbstständig ihren Lernerfolg überprüfen können, etwa durch einen Selbsttest am Computer oder durch ein Debriefing mit dem Berufsbildner oder der Berufsbildnerin.

An welchen Orten findet die Ausbildung statt?
Zum einen im Campus mit den Standorten Liestal (BL) und Interlaken (BE), wo die Aspirantinnen und Aspiranten im Klassenverband theoretische und praktische Kompetenzen erwerben. Dann in den Regionen, wo die zukünftigen Mitarbeitenden unterstützt durch die Regionalen Ausbildungsteams ihre Fertigkeiten trainieren. Und schliesslich im Selbststudium, wo zum Beispiel mittels Übungen oder E-Learning der Stoff selbstständig bearbeitet wird. 

Der Campus ist dabei natürlich ein besonderer Ort, der jeden und jede, der oder die die Grundausbildung hier absolviert hat, stark geprägt hat. Im Klassenverband und im Internat entstehen Freundschaften fürs Leben. Viele haben gute Erinnerungen an diese Zeit und kommen auch gerne für eine Weiterbildung wieder vorbei.

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Die Werbeplakate für die neue Ausbildung gehen auf tatsächliche Aufgriffe zurück

Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der neuen Ausbildung?
Mit dem Programm DaziT setzt der Zoll stark auf Digitalisierung. Wir wollen unsere Mitarbeitenden bei den wiederkehrenden administrativen Tätigkeiten entlasten. Dazu entwickeln wir Apps und Anwendungen, damit sie bei Kontrollen schnell Datenbanken abfragen oder Aufgriffe eintragen können. Der praktische Umgang mit diesen neuen digitalen Arbeitsmitteln ist in der Ausbildung dementsprechend wichtig, wenn es darum geht, wie eine Aufgabe aus dem Arbeitsalltag zu bewältigen ist. Schliesslich möchten wir die Lehrmittel noch interaktiver gestalten.

Worauf freuen Sie sich besonders?
Ich freue mich besonders auf den Moment, wenn die ersten zukünftigen BAZG-Mitarbeitenden auf den Campus kommen. Für mich als Romand ist schliesslich auch wichtig, dass die neue Ausbildung in allen drei Sprachen angeboten wird.

Wie immer in einem solchen Fall werden wir natürlich die eine oder andere Sache noch anpassen müssen. Dazu werden wir uns Ausbildner sehr rege mit den ersten Aspirantinnen und Aspiranten austauschen. Ich bin überzeugt, dass das eine gute Sache wird. 

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Christophe Grosjean arbeitet seit 1999 bei der EZV und ist seit 2005 Ausbildner im Campus.

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